ADHS und Selbstwert

Fachleute schätzen, dass ca. 5-6% aller Kinder (gemäss internationalen Studien 9,2% Knaben, 2,9% Mädchen) von AD(H)S betroffen sind. Die Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung (AD(H)S) besteht eigentlich immer seit der Kindheit und bleibt in ca. 60%der Fälle als chronische Störung bis ins Erwachsenenalter hinein bestehen; wenn auch in unterschiedlich starker Ausprägung und oft mit einem anderem Erscheinungsbild als in der Kindheit. Mangelnde Aufmerksamkeit, eine hohe Impulsivität, eine oft mangelhafte Gefühlsteuerung und ein desorganisiert-(chaotisches) Verhalten führen oft zu Problemen im Beruf und in der Partnerschaft. Das Leben solcher Menschen ist oft von vielen Brüchen sowie grösseren und kleineren Katastrophen im Alltag geprägt. Die zahlreichen Misserfolge wirken sich aber beim Betroffenen nicht selten negativ auf den Selbstwert aus.

Menschen mit AD(H)S sind aber auch interessante, anspruchsvolle Persönlichkeiten, die wegen ihres sehr unterschiedlichen Erscheinungsbildes und ihren zahlreichen Fähigkeiten oft faszinieren. Für den Therapeuten sind sie nicht selten eine Herausforderung, da sie in Bezug auf Diagnostik und Therapie besondere Anforderungen stellen.

Erwachsene leiden sehr häufig - oft ohne es zu wissen -, unter Ängsten, Depressionen oder psychosomatischen Störungen und kommen damit in die Beratung oder Therapie. Solche Beschwerden können durch eine AD(H)S bedingt sein, oder aber - was auch nicht selten vorkommt -, von gleichzeitig vorliegenden Begleiterkrankungen stammen. Wird ein AD(H)S als eigentliche Ursache nicht erkannt, so resultiert daraus ein Ausbleiben des Therapieerfolges. Es gibt zahlreiche Patienten die eine wahre Odyssee psychiatrischer und sonstiger Behandlungen hinter sich haben.

Neurobiologisch dürfte es sich um eine genetisch bedingte Unterfunktion des Stirnhirns handeln, welche mit einem Mangel an Botenstoffen verbunden ist. Dadurch kommt es zu einer deutlichen Beeinträchtigung der Aufnahme und Verarbeitung von Informationen mit unterschiedlicher Auswirkung auf das Verhalten, die kognitiven Fähigkeiten und die Gefühlssteuerung. Eine gute AD(H)S-Abklärung und Behandlung setzt darum viel klinisches Wissen und Erfahrung voraus.